Auf in die Berge! Auf Schweizerreise wie vor zwei Jahrhunderten

Muri, Teilansicht von Nordwesten. Im Vordergrund die Aare, im Hintergrund das Jungfraumassiv

Aufbruch ins Berner Oberland

In’s Oberland ! nach den Gletschern – Auch den kältesten Berner, der von lebenslanger Gewohnheit abgestumpft die Eisgebürge täglich vor Augen sieht, ergreift immer doch dieser Zuruf eines abreisenden Freundes mit Theilnahme, und mit aufwachender Sehnsucht; – wie viel mehr denn muss er dem Fremdling zu gespannten Erwartungen die Seele heben! Wie viel mehr ihm lockend in das Innerste dringen!

Johann Rudolf Wyss, Reise in das Berner Oberland, Bd. 1, S. 167

Vor 200 Jahren bedeutete Reisen in der Schweiz zu allererst, die Berge zu entdecken. Bern war dafür der ideale Ausgangspunkt. Der damals rund vierstündige Weg nach Thun bot ein grandioses Panorama für Touristen, die das Jungfraumassiv das erste Mal erblickten. Hier sieht man es einige Kilometer südlich von Bern vom Ufer der Aare aus.

Ansicht des Dorfes Unterseen. Im Vordergrund die belebte Schalbrücke über die Aare, im Hintergrund das Jungfraumassiv

Unterseen

Die Schalbrücke vor dem Dorf Unterseen ist in einem Aquarell von Gabriel Matthias Lory Ankunftsort und Schauplatz zugleich; ankommende Touristen mit langen Bergstöcken bestaunen das sagenhafte Panorama mit der alles überragenden Jungfrau, zwei Gentlemen mit Hund mustern die Dorffrauen, ein Bauer treibt sein Vieh über den Steg.

Ein Künstler mit Zeichenmappe unter dem Arm und einem kleinen Gehilfen im Anhang macht sich auf, um diese Welt ins Bild zu fassen. Er folgt damit einer Mode: Seit dem Erscheinen von Albrecht von Hallers Gedicht Die Alpen waren Touren ins Berner Oberland bei Reisenden aus ganz Europa en vogue und es galt, Souvenirs davon mit sich nach Hause zu tragen...

Gasthof in Grindelwald. Im Vordergrund eine Reisegruppe, im Hintergrund Gebirge.

Ankunft in Grindelwald

Grindelwald. Nur ein Wirthshaus; wenn es da zu voll, so ist der Herr Pfarrer so gefällig, Fremde zu beherbergen.

Johann Gottfried Ebel, Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen, XVIII. Abschnitt, S. 78

Von Unterseen her kommend erreichen zwei Touristenpaare eine Herberge in Grindelwald und werden von einem Bauernpaar neugierig begutachtet. Anfang des 19. Jahrhunderts steckte das Hotelgewerbe noch in den Anfängen und in mehreren Dörfern des Berner Oberlandes boten vor allem lokale Pfarrer ausländischen Besuchern Unterkunft und Verpflegung.

Eiger, Mönch und Jungfrau von der Wengernalp aus gesehen

Eiger, Mönch und Jungfrau

Obwohl wir auf das grosse Spektakel vorbereitet waren, entwich uns ein Schrei der Bewunderung, als die letzte Wegbiegung den Blick auf den Koloss freigab und uns in eine Art Amphitheater führte, von wo aus wir ihn ungehindert betrachten konnten.

Gabriel Lory "Fils", Voyage pittoresque de l'Oberland bernois 

Zwei mit Wanderstöcken, Rucksäcken und Feldflaschen ausgerüstete Touristen auf der Wengernalp bewundern das Panorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund. Drei weitere, die zu Pferd gekommen sind, ruhen sich bereits auf der Wiese aus und kosten Alpprodukte, die von den Sennen gebracht werden. In den damaligen Reiseführern wird jedoch gewarnt:

Milch ist ja die herrliche allgemeine Kinder=Nahrung, und das Labsal von so viel hundert Kranken! – Aber die gesalzenen Käse und das Schweinefleisch in unseren Schweizerbergen sind eine Kost die schon einen kräftigen Magen und meist eine gewisse Angewöhnung voraussetzen.

Johann Rudolf Wyss, Reise in das Berner OberlandS. 9-10

Rosenlauigletscher mit Well- und Wetterhorn. Im Vordergrund Touristen

In der Sänfte nach Rosenlaui

Der Einfluss, den das Reisen in der Schweiz auf die körperliche und moralische Gesundheit hat, ist gewiss wichtig, wenn gleich sehr wenig beobachtet und hervorgehoben.

Johann Gottfried Ebel, Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen, II. Abschnitt, S. 10

Die alten Reiseführer sind sich über den gesundheitlichen Nutzen von Wanderungen in den Alpen einig. Beanspruchung der Muskeln, ausgiebiges Schwitzen, reine Luft: Die physische Anstrengung stimuliert den Körper. Die vielfältige Landschaft unterhält ihrerseits den Geist. Für einige war die Anstrengung jedoch zu gross: In diesen Fällen behalf man sich mit Reittieren oder Sänften.

Panoramaansicht des Faulhorns. Im Vordergrund Touristen.

Besteigung des Faulhorns

Dieses kurz nach 1850 entstandene Panoramabild präsentiert die Aussicht vom Faulhorn aus. Im Vordergrund treffen zwei Welten aufeinander: Ein Gämsenjäger und zwei Hirten (einer hält ein Alphorn in der Hand) mit ihren Herden scheinen den rund fünfzehn Individuen, die stolz das Panorama bewundern, keine Beachtung zu schenken. Hinter dem Reeti und dem Simelihorn sieht man die berühmten Riesen: Wetterhorn, Schreckhorn, Finsteraarhorn, Eiger, Mönch und natürlich die Jungfrau. Man kann auch eine ganze Truppe von Trägern erkennen, deren Dienste man ab Unterseen mieten konnte.

Gasthaus Rigi Staffel mit Ausblick auf den Vierwaldstättersee. Im Vordergrund Touristen.

Auf dem Weg zur Rigi

Mit den Touristen wurde die Infrastruktur in den Bergen ausgebaut. Eine Gouache von Johann Heinrich Bleuler zeigt das am Rande der Gebirgskuppe stehende Gasthaus auf der Rigi Staffel. Ob zu Fuss oder zu Pferd, Reisende passierten die Rigi Staffel auf ihrem Weg zur noch höher gelegenen Rigi Kulm. Das 1817 erstmals erbaute Staffelhaus nahm jene auf, welche im bereits 1816 eröffneten Gasthaus auf der Kulm keinen Platz mehr fanden. Um trotz des Andrangs eine Unterkunft möglichst nah beim beliebten Gipfel zu finden, empfahl der Baedeker von 1844, die benötigten Zimmer bereits vor der Ankunft durch einen Bediensteten zu reservieren.

Um diesen Uebelstand zu vermeiden, sendet man zeitig, so wie man in einem der Orte am Fusse des Rigi eintrifft, einen Burschen zum Kulmhause zu schicken, mit dem Auftrage Zimmer zu bestellen.

Karl Baedeker, Die Schweiz: Handbüchlein für Reisende, S. 98

Gasthaus auf der Rigi Kulm mit anreisenden Touristen. Im Hintergrund ein Aussichtsturm.

Rigi Kulm

Reiseführer priesen die Sonnenaufgänge auf der Rigi Kulm, die Schaulustigen kamen bald in Scharen.

Menschen aus jedem Kreise der Gesellschaft, vom bescheidenen Handwerksburschen bis hinauf zu fürstlichem Geblüte, finden sich hier zu gleichem Zwecke vereinigt. Alle europäischen Zungen hört man durcheinander schwirren. Führer, Bediente, Couriere und Mägde das bretterne Haus, Tritte und Stimmen verlieren sich erst Abends spät und nicht selten durchwacht eine Schaar fröhlicher Studenten in der Begeisterung der Jugend, bei Gesang und Becherklang die kurze Nacht, ohne freilich zu bedenken, dass sie viele müden Wanderer vorgerückter Jahre, in dem nach solchen Anstrengungen so nöthigen Schlafe stört.

Karl Baedeker, Die Schweiz: Handbüchlein für Reisende, S. 104-105

Hotel auf der Rigi Kulm, im Vordergrund anreisende Touristen

Wetterpech

Galt der Aufstieg auf die Rigi Kulm bei schönem Wetter als unbedenklich, so war er bei plötzlich hereinbrechendem Regen oder Schnee beschwerlich. Der Baedeker riet bei schlechtem Wetter, sich stets auf Pferd oder Maulesel reitend oder auf einen Tragesessel gebettet und von einem Führer begleitet auf den Weg zu begeben und kannte auch die dafür zu erwartenden Kosten.

Der gewöhnliche Preis eines Pferdes oder Maulesels ist 9 fr. Franken bis zum Kulm, und 6 Fr. für die Rückkehr am anderen Morgen auf demselben, 9 Fr. auf einem anderen Wege. Der Pferdeknecht dient zugleich als Führer. Sesselträger erhalten Jeder 9 Fr. für das Hinauf- und ebenso viel für das Hinabtragen. Ein Führer, der 20 Pfund Gepäck zu tragen verpflichtet ist, kann 6 Fr. für den Tag fordern. Knaben und junge Bursche zeigen den Weg auf den Rigi gern für 2 bis 3 Fr. und tragen dabei noch einen Mantel.

Karl Baedeker, Die Schweiz: Handbüchlein für Reisende, S. 97

Rundpanorama von der Rigi Kulm aus gesehen.
Rundpanorama von der Rigi aus gesehen

Weitsicht auf der Rigi

Am besten konnte das Alpenpanorama rund um die Rigi von einem hölzernen Signalturm auf dem höchsten Punkt des Berges bestaunt werden. Dieser steht im Zentrum eines Rundpanoramas, welches die umliegenden Berge und Seen genau kartographiert. Auch der Baedeker schildert 1844 die Schönheit des Sonnenaufgangs und den langsam hervortretenden Horizont.

Ein Lichtschimmer im Osten, vor dem der Glanz der Sterne nach und nach erbleicht, ist der erste Bote des beginnenden Tages. Der Schimmer verwandelt sich in einen Goldstreifen am Horizont, und wirft ein blassrothes Licht auf die schneebedeckten Häupter der Berner Alpen. Eine Bergspitze nach der andern nimmt den goldigen Schein an, der dunkle Zwischenraum zwischen dem Horizont und dem Rigi erhellt sich; Wälder, Seen, Hügel, Flüsse, Städte und Dörfer treten hervor, behalten aber ein frostiges Ansehen bis endlich die rothe Sonnenscheibe hinter dem Gebirge hervor bricht, schnell steigt und ihre Strahlen über die Landschaft wirft und Alles belebt.

Karl Baedeker, Die Schweiz: Handbüchlein für Reisende, S. 106

Panoramaaussicht von der Rigi

360 Grad Aussicht

Der Holzturm findet sich auch auf einem riesigen 360°-Panorama wieder, das von einer Bildlegende begleitet wird, die selbst die entlegensten Berggipfel aufnimmt.

Touristengruppe auf dem Furkapass

Auf alten Pfaden über die Alpen

Der Furkapass war bereits in der Antike eine bedeutende Verbindungsachse zwischen dem auf der Urner Seite liegenden Urserental und dem Wallis. Am Fusse des Passes, in Gletsch, wurde 1830 ein erstes bescheidenes Hotel eröffnet, das bloss über zwölf Betten verfügte. Womöglich weilt das hier dargestellte Touristenpaar in diesem Hotel und profitiert von der atemberaubenden Aussicht einige hundert Meter weiter oben.

Reisegruppe auf der verschneiten Gotthardpassstrasse.

Der Gotthardpass im Schnee

In jedem Fall ist es gut, ein Stück schwarzen Flor mitzunehmen, was man vor die Augen bindet, wenn man lange über Schnee gehen muss; ausserdem ist die Blendung fast unerträglich, wenn die Sonne scheint.

Johann Gottfried Ebel, Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweitz zu reisen, IX. Abschnitt, S. 46

Der Maler Johann Gottfried Jentzsch aus Sachsen begab sich im Frühling 1802 auf eine Reise nach Italien. Diese Radierung hält seine Überquerung des Gotthardpasses fest. Damals führten keinerlei befahrbaren Strassen über die Alpen, der alte Maultierpfad war die einzige Verbindungsachse zwischen dem Kanton Uri und der Leventina. Mehrere Reisende halten ihren Kopf mit einem schwarzen Schleier bedeckt, um sich vor Schneeblindheit zu schützen.

Drei Touristen auf der verschneiten Gotthardpassstrasse vor dem Gotthardhospiz

Ankunft im Gotthardhospiz

Tout jeune homme dans la fleur de la jeunesse et de la santé doit être en état de parcourir des pays éloignés son petit paquet sur le dos et son bâton à la main.

Johann Gottfried Ebel, Manuel du Voyageur en Suisse, S. 35

Eine Gruppe junger Wanderer erreicht das Gotthardhospiz. Im Vordergrund rechts kauert ein weiterer Reisender, um die Schneelandschaft zu skizzieren.

Drei Touristen vor dem Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard.

Der Bergsee am Grossen St. Bernhard

Von der italienischen Seite herkommend erreichen drei Wanderer den Bergsee auf dem Grossen St. Bernhard. Einige hundert Meter weiter erwartet sie das von Chorherren geführte Hospiz. Man bemerke die unumgängliche Ausrüstung der Reisenden: den Wanderstab, der zugleich Waffe und Gehhilfe für schwierige Passagen ist sowie die „Strohflasche“ wie man die umgehängte Feldflasche damals nannte. Experten empfahlen, die Flasche mit einem belebenderen Trank als Wasser zu füllen, denn dieses war schliesslich bereits im Überfluss in der Natur vorhanden!

Reisegruppe auf dem Gemmipass oberhalb von Leukerbad

Der Gemmipass in Schwindel erregender Höhe

Le 29 [juillet 1728], nous nous préparâmes à monter le Gemmi, l’objet de la frayeur de tous ceux qui vont prendre les eaux. C’est une montagne escarpée toute d’un seul roc, élevée extrêmement et où personne ne chercherait un chemin. Il y en a un pourtant et même très bon.

Albrecht von Haller, Récit du premier voyage dans les Alpes (Nachträgliche Edition eines Reisetagebuchs), S. 15

Die Heilkraft der Thermalquellen in Leukerbad ist schon seit dem Mittelalter weitherum bekannt. Der oberhalb des Dorfes gelegene Gemmipass war einst eine wichtige Verbindungsachse zwischen Bern und dem Wallis. Johann Gottfried Ebel nennt ihn einen der «wildesten» und merkwürdigsten» Bergpässe der ganzen Schweiz (Achtzehnter Abschnitt, S. 55) und erzählt, dass die Kranken aus dem Norden der Schweiz, die sich aus gesundheitlichen Gründen nach Leukerbad begaben, auf Bahren über die steilen Felswände hinuntergetragen wurden.

Ankunft einer Reisegruppe in einer Herberge in Kandersteg.

Erholung in Kandersteg

War die Passhöhe des Gemmipasses erreicht, hatte man das Schlimmste bereits hinter sich gelassen: nun fiel der Weg dem Daubensee entlang nach Kandersteg sanft ab. Dort konnten sich die Reisenden in einer Herberge verpflegen und ausruhen. Anschliessend war die Strasse befahrbar und erlaubte eine ungehinderte Weiterreise nach Frutigen und Thun.

Mer de Glace von Montenvers aus gesehen. Im Vordergrund Touristen vor einer Hütte.

Kontemplation vor dem Eismeer

Der Aufenthalt im eindrucksvollen aber lebensfeindlichen Hochgebirge galt als wagemutig. Auf einen gewissen Komfort wollten die r­­eisenden Abenteurer dennoch nicht verzichten. Bei Carl Hackert sitzen die Touristen am Rande des Eismeeres von Montenvers bequem vor einer Hütte – beschriftet als Blairs Hôpital – Utile Dulci und bestaunen die ungeheuren Eismassen. Bauherr und Namensgeber war der britische Lord Charles Blair. Ab 1779 fanden Reisende in dieser Unterkunft Schutz vor Kälte und plötzlich hereinbrechenden Schneefällen. Das Nützliche liess sich mit dem Angenehmen verbinden, indem man das furchterregende Eisgebirge bei Bedarf auch von drinnen aus wohliger Wärme und sicherer Distanz betrachten konnte.

Glacier du Tacul von Le Couvercle aus gesehen.

Inmitten der Gebirgswelt des Mont Blanc

Schon früh wurde die Gebirgswelt zum Gegenstand privater Naturforschung. Die gezackten Felsen über dem Glacier du Tacul boten sich besonders an für gelehrte Studien. Ihre sonderbaren Gesteinsformationen erinnerten an spitzige Nadeln. Sogar Goethe formulierte zu der merkwürdigen Erscheinung des Gesteins eine These.

Die Gipfel der Felsen gegen über und auch in die Tiefe des Thals hin, sind sehr spizig ausgezakt, es kommt daher, weil sie aus einer Gesteinsart zusammengesetzt sind, deren Schichten fast perpendikular in die Erde einschiessen, wittert eine leichter aus, so bleibt der andre spiz in die Luft stehen …

Johann Wolfgang Goethe, Brief vom 4. November 1779, in: Briefe. Historisch Kritische Ausgabe, Band 3, S. 351

Cascade de la Pissevache

Cascade de Pissevache

Wasserfälle fanden als Touristenattraktionen häufig Abbildung. Der Genfer Jean-Antoine Linck setzt die Cascade de Pissevache gekonnt in Szene. Beim Betrachten des Falls meint man das Tosen der Wassermassen zu hören, der herabstürzende Strom erscheint gewaltig. Während des 18. und 19. Jahrhunderts priesen Reisende die einnehmende Schönheit der Cascade de Pissevache, in deren Schaum sich das Licht bei Sonnenschein wundervoll spiegelte und in allen Farben schillernde Regenbogen zauberte.

Touristen bestaunen auf einer Anhöhe das Panorama des Genfersees

Das Panorama des Genfersees

Weiter westlich lockte Jean-Jacques Rousseaus Bestseller Julie ou la Nouvelle Héloïse romantische Schwärmer aus ganz Europa an die Ufer des Genfersees. Der See, die umliegenden Weinberge und die in der Ferne sichtbaren Gipfel des Mont Blancs galten bald als Inbegriff einer empfindsamen Landschaft. Jules Carrard lässt den Bildbetrachter durch die neugierigen Augen einer Touristengruppe auf die Weite des Seebeckens herunterschauen.

Östliches Halbpanorama des Genfersees, im Vordergrund Weinbauern und eine Touristengruppe
Westliches Halbpanorama des Genfersees, im Vordergrund ein Touristenpaar

In den Weinbergen der Côte

Die Anhöhen über dem Genfersee waren für ihre spektakulären Aus- und Weitsichten bekannt. Bei schönem Wetter nahmen zahlreiche Reisende den steilen Aufstieg durch die Weinberge von Mont zu Pferd oder zu Fuss auf sich, um einen Blick auf den blausilbrig schimmernden See zu erhaschen.

Johann Wolfgang Goethe zeigte sich in einem Brief von seiner Schweizerreise im Oktober 1779 an Charlotte von Stein begeistert von der Welt, die ihm oberhalb von Mont zu Füssen lag.

Wir machten uns mit den Pferden, erstlich Mont hinan, und hatten steigend die herrlichste Aussicht auf den Genfer See die Savoyer und Walliser Gebürge hinter uns konnten Lausanne erkennen, und durch einen leichten Nebel auch die Gegend von Genv. Grad über sahen wird den Mont blanc der über alle Gebürge des Faucigny hervor sieht die Sonne ging klar unter es war ein so grosser Anblick, dass ein menschlich Auge nicht hinreicht zu sehen.

Johann Wolfgang Goethe, Brief vom 24. Oktober 1779, in: Briefe. Historisch Kritische Ausgabe, Band 3, S. 325

Schloss Chillon am Ufer des Genfersees. Im Vordergrund eine Szene aus Jean-Jacques Rousseaus Roman Julie ou la Nouvelle Héloïse.

Drama beim Schloss Chillon

Die liebliche Landschaft des Genfersees bot die ideale Kulisse für literarische Dramen, die europaweit Bekanntheit erlangten. Pierre Samuel Louis Joyeux spielt explizit auf eine dieser Geschichten an. Am Uferweg vor dem Schloss Chillon droht ein Kind zu ertrinken, die Mutter eilt ihm zu Hilfe und springt ebenfalls ins Wasser. Es ist Julie, die Titelheldin aus Jean-Jacques Rousseaus Roman Julie ou la Nouvelle Héloïse, die ihren Nachwuchs zwar zu retten vermag, ob des nachhaltigen Schocks darüber jedoch selbst verstirbt. Auch Lord Byron verewigte Schloss Chillon 1816 in dem Gedicht The Prisoner of Chillon. Sein Held François Bonivardfristet ein tragisches Schicksal in den unterirdischen Kerkern der Burganlage, bis ihn die Berner nach ihrer Eroberung der einst savoyischen Waadt 1536 in die Freiheit entlassen.

Schloss Chillon, Gesamtansicht von Norden. Im Vordergrund ein Tourist aus der Rückenansicht

Ein letzter Blick zurück

Werfen wir mit dem 30-jährigen Goethe einen schwärmerischen Blick zurück auf Schloss Chillon und die Region des Genfersees, noch bevor sich der Dichter mit dem jungen Weimarer Herzog Carl August nach Chamonix aufmacht.

Es sind keine Worte für d­ie Grösse und Schöne dieses Anbliks, man ist sich im Augenblik selbst kaum bewusst, dass man sieht, man ruft sich nur gern die Namen und alten Gestalten, der bekannten Städte und Orte zurück und freut sich in einer taumelnden Erkenntniss, dass das eben die weisen Punkte sind, die man vor sich hat.

Johann Wolfgang Goethe, Brief vom 28. Oktober 1779in: Briefe. Historisch Kritische Ausgabe, Band 3, S. 336

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