Seen der Schweiz — Spiegelbilder in Wasserfarbe

Vevey, Gesamtansicht von Norden mit Genfersee

Wasserfarbenmalerei

Johann Ludwig Aberli, der als erster Schweizer Kleinmeister gilt, hat bedeutende Künstler seiner Zeit geprägt. 1747 übernahm er die Zeichenschule seines Lehrers Johann Grimm. In den 1750er-Jahren gründete er in Bern sein eigenes Atelier, in dem er zahlreiche Maler unterrichtete. Aberli erwarb sich einen besonderen Ruf mit seinen Landschaftsansichten, die er, ausgestattet mit einem tragbaren Malkoffer, auch im Freien anfertigte. Oft aquarellierte er direkt in der Natur und nahm dabei seine Schüler mit, um ihnen diese Technik weiterzugeben. 

Die sommerlichen Exkursionen führten ihn etwa an den Bieler- und den Neuenburgersee, ins Berner Oberland sowie an den Genfersee, den er besonders oft malte. Das Aquarell zeigt Vevey und den oberen Teil des Genfersees. Mit seinem leuchtenden Hintergrund und der leichten Farbigkeit zeugt es eindrucksvoll von Aberlis technischen Fertigkeiten. Die Berge im Hintergrund umschliessen den See wie ein gewaltiger Trichter.

Der Genfersee in «Aberlischer Manier»

Johann Ludwig Aberli hat diesen Panoramablick auf Vevey aus nordwestlicher Richtung mehrfach umgesetzt. Um die lichtdurchflutete Zeichnung in den Druck zu übersetzen, griff er auf ein spezielles Verfahren zurück: Er fertigte Umrissradierungen an, die er anschliessend in Aquarell kolorierte. Diese als «Aberlische Manier» bezeichnete Technik ermöglichte es ihm, seine Landschaftsaquarelle in hoher Auflage zu produzieren, um sie an Touristinnen und Touristen zu verkaufen. Gedruckt wurden dabei lediglich die Umrisslinien der Zeichnung. Die Kolorierung in Aquarell erfolgte anschliessend entweder durch ihn selbst oder durch Mitglieder seiner Werkstatt.

Zwischen dem Druck von der ersten Platte aus den Jahren 1773–1775 und jenem von der zweiten Platte aus dem Jahr 1780 zeigt sich eine veränderte Farbgestaltung: Die spätere Fassung weist deutlich intensivere Rosatöne auf.

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Vevey, Gesamtansicht von Norden mit Genfersee
Referenzbild
Vevey, Gesamtansicht von Norden mit Genfersee

Das Seeufer, gezeichnet und gedruckt

Die Aquarellstudien dienten Aberli häufig als Vorlagen für spätere grafische Arbeiten. Das links gezeigte Aquarell «Vue prise aux environs de la Tour» stellt die Umgebung des Hafens von La Tour-de-Peilz bei Vevey in bemerkenswerter Naturnähe dar. Wahrscheinlich diente es als Studie für den rechts abgebildeten Druck, der um 1786 datiert wird. 

Die Skizze entstammt einem Notizheft des Künstlers mit 10 Aquarellen, die er als Vorlagen für seine Umrissradierungen nutzte. In der Radierung von Heinrich Rieter sind mehrere Figuren im Vordergrund ergänzt und die Darstellung wird durch Handelsszenen belebt. Der Vergleich der beiden Fassungen verdeutlicht, wie die Bilder konstruiert wurden: Es handelt sich nicht um rein realistische Wiedergaben, sondern zugleich um idealisierte Bilder, die sich insbesondere an ausländische Reisende richteten. Präsentiert wird eine Schweiz, die dank ihrer See- und Flusswege lebendige Handelsbeziehungen zu den Nachbarländern unterhält.

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La Tour-de-Peilz, Teilansicht von Nordwesten mit Genfersee
Referenzbild
La Tour-de-Peilz, Umgebung mit Hafen und Genfersee
Lausanne, Panoramablick aus nordöstlicher Richtung. Schloss; Garten; Genfer See; Ernte

Weiter Horizont

In einer weiteren Ansicht von Johann Ludwig Aberli, die etwa zeitgleich mit jener von Vevey entstand, reicht der Genfersee bis an den Horizont und öffnet sich gleichsam wie ein Tor zur Welt. Dargestellt ist der Blick auf Lausanne von einem nordöstlich gelegenen Aussichtspunkt aus. Im Vordergrund beleben Frauen und Kinder die Szene: Sie ernten Äpfel, sammeln sie in Körben, und eine Figur auf einer Leiter streckt sich nach den höchsten Früchten. Diese detailreiche Staffage verbindet ländliche Tätigkeit mit der weiten, offenen Seelandschaft im Hintergrund. Zugleich integriert Aberli die städtische Kathedrale Notre-Dame prominent in die Bildkomposition. Der Bau wurde um 1170 begonnen und am 20. Oktober 1275 von Papst Gregor X.im Beisein von Rudolf I.  von Habsburg geweiht, dem Begründer der habsburgischen Dynastie. Die hoch über dem See aufragende Kathedrale unterstreicht eindrücklich, dass politische und kulturelle Zentren der Schweiz häufig in unmittelbarer Nähe bedeutender Gewässer entstanden.

Schloss Chillon, Panoramablick von Süden. Boot; Genfer See

Geschichtslektion am See

Die Radierung von Johann Ludwig Aberli aus dem Jahr 1782 zeigt das Schloss Chillon während seiner Berner Herrschaftszeit. Darauf verweist das Bärenwappen in der Bildmitte. Diese Epoche begann im März 1536 mit der Eroberung der Waadt durch Bern und endete Anfang 1798, als Patrioten aus Vevey und Montreux das Schloss einnahmen und die Unabhängigkeit der Waadt ausriefen.

Die Spuren der Berner Herrschaft sind bis heute sichtbar: Auf der südlichen Fassade des Schlosses sind noch der obere Teil des Wappens und die Ohren des Bären zu erkennen. Das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes hat sich seit Aberlis Zeit ansonsten kaum verändert. Auch rund 250 Jahre nach Entstehung der Radierung ist das Schloss Chillon in seiner charakteristischen Silhouette unverkennbar.

Montreux, Panoramablick aus nordwestlicher Richtung. Bucht von Montreux; Jäger; Schloss Chillon; Dents du Midi; Genfer See; Bauer.

Gerahmtes Ufer

Der wohl in der Werkstatt Johann Ludwig Aberli ausgebildete Gabriel Ludwig Lory – genannt Lory «Père» – zählt ebenfalls zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Kleinmeister. Auf dieser Ansicht von Montreux ist das Schloss Chillon in der Ferne am Seeufer hell beleuchtet zu sehen, während im Hintergrund die verschneiten Dents du Midi aufragen.

Gabriel Ludwig Lory legte in seinen Werken besonderen Wert auf die Darstellung der Bildelemente im Vordergrund. Hier richtet sich sein Augenmerk auf die Figuren auf der linken Bildseite: Frauen beim Waschen, die Ankunft eines Jägers mit zwei Hunden sowie ein Reisender, der bei einem Bauern mit Esel verweilt. Ergänzt wird die Szene durch Brücken, über die Hirten und Reisende die in den Genfersee mündende Baye de Montreux überqueren können, während auf dem See ein Frachtschiff unterwegs ist. 

Lungern, Teilansicht von Norden. Herde; Kaiserstuhl; Lungernsee; Wetterhorn

Bergspiegelung

Mit seinen Ansichten touristisch bedeutender Schweizer Orte erlangte Gabriel Ludwig Lory auch im Ausland Bekanntheit. Seine Werke illustrieren die verschiedenen Landschaften der Kantone von der Zentralschweiz bis ins Tessin. Diese Aquatinta zeigt den Lungernsee im Kanton Obwalden. Das Licht im Vordergrund lenkt den Blick auf die weidenden Kühe, während das zentrale Motiv die Alpen des Berner Oberlandes sind, die sich im See spiegeln. Auf dem Wasser ist zudem ein Boot zu erkennen. Das Bild entstand für die Serie «Souvenirs de la Suisse, ou Recueil de vues remarquables pour faire suite au Voyage pittoresque dans l’Oberland bernois» und zeigt den Blick vom nördlichen Ufer des Lungernsees auf das 3689 Meter hohe Wetterhorn und die weiter hinten liegenden Berge. 

Schloss Schadau bei Thun

Vom See zum Fluss

Gabriel Ludwig Lory arbeitete häufig gemeinsam mit seinem Sohn Mathias Gabriel Lory, genannt Lory «Fils», sowie mit seinem Neffen Friedrich Wilhelm Moritz Lory. Schon früh zeigte Lory «Fils» grosses Talent, das er unter der Anleitung seines Vaters weiterentwickelte. Er schuf detaillierte Ansichten und stellte die Natur auf sehr realistische Weise dar. Hier sehen wir den Thunersee und den Abfluss der Aare, deren Lauf anschliessend in Richtung Rhein weiterführt. 

Diese – und die folgende – Ansicht von Schloss Schadau wurden von Denis de Rougemont von Löwenberg in Auftrag gegeben, dem das Bauwerk damals gehörte. Der Bankier, eine zu seiner Zeit bekannte Persönlichkeit, bewohnte das Schloss vor allem im Sommer, einer Jahreszeit, die in den lebendigen Farben des Aquarells besonders zum Ausdruck kommt. Sein Sohn, der ebenfalls den Namen Denis de Rougemont trug, erbte das Schloss und liess es umbauen. Seit 1925 befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadt Thun.

Schloss Schadau bei Thun mit Schlossgarten

Seegärten

Mathias Gabriel Lory verewigte das Schloss Schadau in zwei Aquarellen. In der hier gezeigten zweiten Ansicht ist das Schloss vom Ufer der Aare aus dargestellt, mit der Jungfrau und der Blüemlisalp im Hintergrund. Im Schlossgarten sind junge Frauen zu sehen, die Rosen pflücken, während ein junger Mann etwas weiter hinten mit Angeln beschäftigt ist. Das Aquarell besticht durch seine zahlreichen Details: So ist die Ausfahrt eines Touristenboots zu erkennen, das traditionell von einer Schifferin gesteuert wird, während im Hintergrund bereits ein kleines Dampfschiff als Vorbote der Zukunft erscheint.

Ein Dampfschiff auf dem Bielersee im Abendlicht, im Vordergrund Barken und Fischer

Auf dem Seeweg

Ein Dampfschiff nimmt auch in einem Werk, das Mathias Gabriel Lory bereits einige Jahre zuvor, um 1827, geschaffen hat, einen zentralen Platz ein. Auf diesem Aquarell sehen wir im Vordergrund Fischerboote sowie das Dampfschiff «Union» auf dem Bielersee vor La Neuveville. Das 1826 in Yverdon gebaute Schiff bediente die Strecke von Yverdon nach Nidau durch die Zihl. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Fluss noch nicht kanalisiert. Sein schwankender Wasserstand führte zu einem unsicheren Schiffsbetrieb und die Linie wurde schon nach zwei Jahren wieder eingestellt. Die «Union» kam aber weiterhin zum Einsatz und verkehrte zwischen Yverdon und Neuenburg. Die Fahrt hin und zurück dauerte zehn Stunden. Die beiden Ortschaften waren zu dieser Zeit noch nicht durch die Eisenbahn verbunden. 

Das dargestellte Schiff ist die UNION, die 1826 in Yverdon für eine Aktionärsgesellschaft gebaut wurde, die der ehemalige Oberst in englischen Diensten Antoine du Thon zu diesem Zweck gegründet hatte. Der Holzrumpf, der in der Länge 26,5 Meter und in der Breite 8 Meter mass, trug 14-PS-starke Niederdruckmaschinen, die von Boulton & Watt in Soho bei Birmingham hergestellt wurden. Der Stapellauf fand am 10. Juni 1826 statt.

Quelle: Inventar Gugelmann (Nr. 34), Kopie des Briefs von Herrn Dr. H. Matthey (Neuenburg), dem ehemaligen Besitzer des Aquarells (undatiert)

Blick von Nordosten auf den Neuenburger Weinberg und die Stadt

Weinlese mit Aussicht

Ab 1805 war Mathias Gabriel Lory in Neuenburg tätig. Zunächst erteilte er Privatunterricht, später erhielt er eine Stelle als Zeichenlehrer an einer städtischen Schule. Das hier gezeigte Aquarell hält die Weinlese im gelb-orangen Licht des Sonnenuntergangs fest. Im Vordergrund beladen Männer Karren mit geernteten Weintrauben. Das Bild gibt in der Vogelperspektive den Blick die gesamte Stadt Neuenburg frei, die sich langgezogen am Seeufer erstreckt. Lory «Fils» und seine Kundschaft fanden offensichtlich Gefallen an diesem Motiv, das in vielen verschiedenen Varianten hergestellt wurde. Die hier gezeigte Fassung ist unten links vom Künstler mit Feder und Tusche signiert und um 1817 datiert. Wie auf den beiden nachfolgenden Bildern ist der Titel unterhalb des Motivs zentriert in goldenen, mit Tusche schattierten Buchstaben angebracht. Die drei hier vereinten Werke gehörten möglicherweise zu einer mehrteiligen Bestellung im Atelier von Mathias Gabriel Lory.

Blick von Paradiso auf den Monte Brè und Castagnola

Spiegel der Berge

Das zweite der drei Aquarelle zeigt einen unverstellten Blick auf den Luganersee. Geschaffen hat es Friedrich Wilhelm Moritz, der Neffe von Gabriel Ludwig Lory und Cousin von Mathias Gabriel Lory. Moritz war als Aquarellist und Zeichenlehrer hauptsächlich in Neuenburg tätig. Das identische Jahresdatum sowie die einheitlich gestalteten Titel weisen darauf hin, dass die beiden Cousins 1817 im Atelier von Lory «Fils» parallel an den drei Aquarellen arbeiteten. Die von der Tessiner Gemeinde Paradiso aus aufgenommene Ansicht zeigt mehrere Schiffe auf dem Luganersee, was von regem Verkehr auf dem Tessiner See bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeugt. Links erhebt sich der Monte Brè, dessen Spiegelung im Wasser eine eindrucksvolle Tiefenwirkung erzeugt.

Blick auf einen Teil des Hafens von Flüelen und auf den Urnersee.

Hafenblick

Auf dem dritten Aquarell, das mit Gummiarabikum gehöht ist, zeigt Mathias Gabriel Lory einen Teil des Hafens von Flüelen am Vierwaldstättersee. Wie beim vorhergehenden Bild spiegelt sich der schneebedeckte Gipfel des Rophaien im See und dominiert die Komposition. Der Titel ist erneut goldfarben und mit Tusche schattiert.

An der Flagge auf dem Segel des einfahrenden Schiffes lässt sich erkennen, dass die Szene am Urnersee spielt. Zahlreiche Personen sind bei ihren Tätigkeiten dargestellt: Einige laden oder entladen Waren, während andere ins Gespräch vertieft sind. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild des Hafengeschehens.

Album Voyage pittoresque au lac des Waldstettes ou des IV cantons dessiné par Johann Jakob Wetzel ; gravé par Franz Hegi

Malerische Schweizer Seen

Johann Jakob Wetzel aus Zürich zählt zu den Kleinmeistern mit der umfangreichsten Produktion von Ansichten für den Schweizer Tourismus. Er hat zuerst in Herisau und später in Neuenburg für Lory «Père» und Lory «Fils» gearbeitet. Sein 1819 begonnenes Hauptwerk trägt den Titel «Voyages pittoresques aux lacs de la Suisse». Es umfasst 137 Motive, die in Sepia umgesetzt und zusätzlich von renommierten Radierern der Zeit als Aquatinta geätzt wurden. Das Gesamtwerk wurde zwischen 1819 und 1827 von Orell Füssli & Co. veröffentlicht, einem Unternehmen, das sich sowohl im Druck, in der Herausgabe wie im Handel von Druckgrafiken betätigte. Die Alben laden zu einer malerischen Reise entlang der Schweizer Seen ein, die in pittoresken Ansichten bei wolkenlosem Himmel dargestellt werden, wobei die tiefen Horizontlinien die Weite der Landschaft besonders betonen. Ergänzt wird die Serie durch Darstellungen der oberitalienischen Seen, namentlich des Garda- und des Comersees

Alpnach, Teilansicht von Süden. Boot; Gewitter; Hafen; Vierwaldstättersee

Lichtstimmung

Die Drucke der Schweizer Kleinmeister zeigen in der Regel idealisierte Landschaften und Szenen bei mildem Wetter. Diese Ansicht des Alpnachersees – ein Arm des Vierwaldstättersees – überrascht durch die bedrohliche Stimmung mit dem stark aufgewühlten See. Die Boote scheinen aneinanderzuprallen und die Menschen auf dem Weg versuchen, sich vor dem Wind zu schützen. Der Sonnenstrahl, der trotz allem durch die düstere Wolkendecke dringt, ist ein Beispiel für Wetzels gekonnte Umsetzung von Lichteffekten. Diese Darstellung scheint den wechselhaften Wetterverhältnissen in der Schweiz besser gerecht zu werden als die meisten Motive der Kleinmeister. 

Seen, nach der Natur gezeichnet

Diese Ansicht der Insel Reichenau am Bodensee veranschaulicht die Arbeitsweise von Johann Jakob Wetzel: Die Zeichnung links diente möglicherweise als Vorlage für den rechts gezeigten Aquatinta-Druck. Es ist auch denkbar, dass Wetzel die Sepia-Zeichnung als Luxusausgabe für eine besonders wohlhabende Kundschaft vorgesehen hatte. In jedem Fall fertigte er als Grundlage für die Aquatinta eine Zeichnung an. Auf dem Druck findet sich unten links der Vermerk: «Dessiné d’après nature par J.J. Wetzel.» (nach der Natur gezeichnet von J.J. Wetzel), ein Vorgehen, das der Künstler bei Lory «Père» gelernt hat. Vor dem offenen Blick auf den Bodensee ist ein Bauer mit zwei Kühen zu sehen, der mit zwei Frauen am Wegrand spricht. Das Licht deutet darauf hin, dass sich die Szene in der Abenddämmerung zuträgt.

Bild
Ermatingen, Umgebung. Bauer; Bodensee; Reichenau; Triboltingen
Referenzbild
Insel Reichenau. Bauer; Bodensee; Untersee
Brienz, Gasthöfe bei Tracht

Hafenbetrieb

Auch seine «Vues de l’Oberland Bernois» veröffentlichte Johann Jakob Wetzel um 1825 bei Orell Füssli & Co. Zu dieser Folge gehört auch die vorliegende Aquatinta, die gemäss dem Vermerk unten links ebenfalls nach der Natur gezeichnet wurde. Mit ihrer Fülle an Figuren und geschilderten Tätigkeiten bildet sie einen auffälligen Kontrast zu vielen anderen Werken des Künstlers. Im Vordergrund erkennen wir eine äusserst belebte Szene mit regem Austausch. Vor den Gasthäusern weiter hinten sind weitere Figuren auszumachen; ein Hirte treibt seine Ziegen vorbei; Reisende mit schwerem Gepäck sind zu Fuss, zu Pferd oder in der Kutsche unterwegs; Kinder sind in ihr Spiel vertieft. Der Druck ist von besonderem Interesse, weil er vom Alltag an den Ufern der Schweizer Seen im frühen 19. Jahrhundert erzählt, hier exemplarisch am Brienzersee

Porträt von Elisabeth Grossmann als Schifferin auf dem Brienzersee

Die schöne Schifferin

Im 19. Jahrhundert gehörte die junge Elisabetha Grossmann zu den bekanntesten Personen im Berner Oberland. Als «schöne Schifferin vom Brienzersee» wurde sie von vielen Autoren und Malern porträtiert, die ihre Schönheit und ihren Gesang lobten. In der Region war es üblich, dass die Schifferinnen Volkslieder sangen, um ihre reisenden Gäste zu unterhalten. Jean-Emmanuel Lochers Druck nach einem Gemälde von Joseph Reinhard zeigt Elisabetha stehend auf ihrem Boot. Der Wind verweht ihre Kleidung, während sie sicher das Ruder hält.Elisabetha wurde 1795 in Brienz geboren, wo sie ihr Leben lang blieb und ihre Arbeit als Schifferin ausübte. Sie hatte kein einfaches Leben: Eine Verlobung mit dem Neuenburger Lehrer Abram François Pettavel scheitere am Widerstand seiner Familie, die Elisabethas gesellschaftlichen Stand als unzureichend befand. Später war sie vermutlich mit dem Sohn eines Gastwirtes aus Unterseen verheiratet. Die Ehe soll unglücklich verlaufen sein, worauf Elisabetha über mehrere Jahre ihre Scheidung verhandelte. Danach war sie in zweiter Ehe angeblich glücklich mit einem Mann aus Brienz verheiratet. 

[...] ihre Haare waren wie schönstes Gold und zu langen Zöpfen geflochten, die mit schwarzen Bändern gehalten waren, ihre Stirn hoch und ernst; sie hatte Augen so blau wie der Himmel, die die Reinheit ihres Herzens verrieten

Quelle: Grellet Pierre, La Belle batelière de Brienz, Lausanne: Ed. des Terreaux, 1950, S. 14

Ausflugsboot mit Schifferinnen und Touristen

Wasserfahrten

Die kleinformatige Gouache von Franz Niklaus König zeigt ein kleines Ausflugsboot auf dem Brienzersee. An ihrer Kleidung erkennen wir vermögende Reisende, die sich von einer Schifferin über den See rudern lassen. Deren auf dieser Gouache dargestellte Tracht ähnelt vielmehr jener der Elisabetha Grossmann auf dem vorherigen Druck. 

Die Erzählung von der «schönen Schifferin vom Brienzersee» und Darstellungen wie diese zeugen davon, dass sich die Schifffahrt in der Schweiz zunehmend zum Freizeitvergnügen und zur touristischen Attraktion wandelte. Die Gäste kamen von weit her, um sich von den Schifferinnen aus der Region zu den Giessbachfällen rudern zu lassen – nicht selten begleitet von bekannten regionalen Liedern.

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